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Gottesdienste

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IONA

Iona-Kommunität und ihre Gottesdienste

Im September 2016 konnte ich auf einer Studienreise die Iona-Kommunität in Schottland kennen und schätzen lernen. Ihre täglichen Gottesdienste leben u.a. von Texten, die Liturgin und Gemeinde im Wechsel sprechen. Unsere Abendgottesdienste werden von dieser Liturgie geprägt sein. Außerdem möchte ich hin und wieder einen Stärkungsgottesdienst feiern, in dem das Angebot zur persönlichen Segnung integriert ist. Doch wer, wo und was ist Iona?

Iona ist eine kleine Insel, knapp 6 km lang und 2 ½ km breit mit ca. 120 Menschen plus den Besuchenden. Überschaubar, grün und still.

Eine lange Anfahrt mit Bussen und Booten durch die Highlands und über die Insel Mull bringt uns zu einer kleinen Fähre. Vor mir liegt die Insel Iona und auf ihr die Abbey. Schön und mächtig steht sie da inmitten der frischen grünen Wiesen. Dort werde ich also nun eine Woche sein, abgeschieden von der Welt, werde Zeit haben, in Gebeten und Ruhe reicher zu werden an Erkenntnis. Am Abend der erste Gottesdienst in der Abbey. Eine Willkommensliturgie gibt es dafür. Die Kirche leuchtet im Schein unzähliger Kerzen, sie ist gut gefüllt. Alle zur Abbey Gehörenden und die Gäste sitzen in den dicken Mauern der Kirche. Diese Gemeinschaft zu spüren, den vollen Gesang, das gemeinsame Gebet – es tut mir gut, ich komme an.

Der nächste Tag beginnt nach dem Frühstück wieder mit einem Gottesdienst. Ein anderer aus dem Abbey-Team liest nun die Texte, oft im Wechsel mit uns. Andere Menschen machen Musik. So ist es: alle bringen sich ein. Durch die halbe Stunde gemeinsamer Besinnung beginnt der Tag für mich anders als sonst. Aber wieso gehen wir ohne Segen auseinander?

Ich lerne: Die Kommunität versteht ihr ganzes Leben als Gottesdienst. Sie   sagen: Gottesdienst umfasst, was wir sind und was wir tun. Wir möchten ein menschliches Leben in seiner ganzen Fülle leben. Ohne es aufzuteilen in geistlich und weltlich. Wir möchten Gott nahe sein – in unseren Nächsten oder in politischer und sozialer Aktivität der Welt, in Kultur oder Wirtschaft, im gemeinsamen Gebet und Lobpreis oder ganz im Inneren, in der Seele unseres Wesens. Wir sind überzeugt, dass alles, was wir tun, Gottesdienst ist, sowohl innerhalb der Kirche wie außerhalb. Also: Jeder Tag beginnt mit gemeinsamem Gebet, weil die Mitglieder eine Gemeinschaft bilden, in der jeder dem anderen von Gott geschenkt wurde. Sie beenden die morgendliche Zusammenkunft nicht mit einem Segen, der stellt einen Abschluss dar. Wechselnde Gebetsrufe bereiten sie dafür vor, in das Leben der Welt hinauszutreten und dort den Godi weiterzuführen im Kontext ihrer täglichen Arbeit. Am Abend beginnen sie das gemeinsame Gebet nicht mit einem üblichen Ruf zum Godi. Denn sie haben sich ja den ganzen Tag hindurch im Gottesdienst befunden. Erst jetzt gibt es für den Abschluss des Tages einen Segen.

Im Jahr 563 kam Columban mit 12 Männern von Irland nach Iona. Er suchte einen Ort, wo er in Ruhe studieren und beten konnte. Mit dem Bau von Hütten und einer kleinen Kirche gründete er das Kloster Iona Abbey. Von hier aus verbreitete sich das Christentum als keltische Kirche in Schottland und England. Das Book of Kells, eines der wertvollsten Bücher, entstand im 7. / 8. Jh. wohl auf Iona. Die Klosteranlage erfuhr mehrere Zerstörungen durch Wikinger und eine Neubelebung durch Benediktiner bis zur Reformation. 1938 gründete Georg MacLeod die Iona Community und baute die Abtei wieder auf. Bis heute prägt das Leben der Kommunität ein Ineinander von politischer und sozialer Arbeit sowie spiritueller und liturgischer Besinnung. Von den 300 Mitgliedern aus verschiedener Herkunft, Lebenssituation und kirch­liche Anbindung leben die meisten auf britischen Inseln, die übrigen in aller Welt. Sie arbeiten in verschiedenen Berufen, treffen sich jährlich auf Iona. Ziel der Arbeit dieser christlichen ökumenisch geprägten Gemeinschaft ist es, „neue Wege zu finden, die Herzen aller zu erreichen“. Wer nach ihren Regeln lebt, verpflichtet sich zu täglichem Gebet, zu politischem und sozialem Engagement. Sie tun dies vor allem durch Jugendarbeit, Sorge um ältere Menschen, großen finanziellen Einsatz, neue Lieder, Gottesdienste und Liturgien, sowie Engagement für Gerechtigkeit und Frieden.                      Nora Dinges, Pfrin